Johann Isaak von Gerning (1767-1837): Publizist mit vielen Facetten
Unter den Autoren, die wir der Frankfurter aufgeklärten Gelehrtenrepublik zurechnen können, ist Johann Isaak von Gerning eine eigenartige Figur mit vielen Facetten. Der Jurist, Privatgelehrte, Sammler, Diplomat und Staatsmann war „jenseits von Goethe“ und doch dem großen Landsmann in seltsamer Weise verbunden, mal von ihm geschätzt, mal verachtet, oft zu Diensten (so z.B. in der Sache des Nachdruckprivilegs für seine Ausgabe letzter Hand). Der produktive Schriftsteller wurde durch Reiseberichte, die von Lyrik – eigener und fremder – durchwoben waren, bekannt. Unter diesen war die „Reise durch Oestreich und Italien“ (1802) der erste, zugleich erfolgreichste. Intensiv befasste Gerning sich mit der Landes- und Kulturgeschichte seiner Region, der „Lahn- und Maingegenden“ (1821) wie der „Rheingegenden“ (1819) und seiner Vaterstadt („Skizze von Frankfurt“ 1800). In seinem in Distichen verfassten Lehrgedicht „Die Heilquellen des Taunus“ bezeichnete er sich selbst als „Sänger des Taunus“ und ihm ist die Verbreitung dieses Begriffs anstatt des früheren „die Höhe“ zu verdanken. Außerdem war er als Übersetzer, insbesondere von Ovid und Horaz, aktiv und führte darüber intensive Gespräche mit anderen Autoren wie Wieland, Voß und Hölderlin. Gerning war Mitarbeiter vieler Zeitschriften wie „Minerva“, „Göttinger Musenalmanach“ etc. und hatte intensive Kontakte zum Hölderlinkreis. Man kann ihn auch als „literarischen Netzwerker“ bezeichnen.
Referentin: Prof. Dr. Barbara Dölemeyer, Bad Homburg
Termin: Dienstag, 15. Dezember 2026
Beginn: 18.00 Uhr
Ort: Archäologisches Museum Frankfurt, Karmelitergasse 1, 60311 Frankfurt am Main
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